Ich habe ja, wie schon erzählt, fast alle meine Weihnachtsfeste bei meinen Großeltern gefeiert. Und ja, beide sind schon auf die andere Seite gegangen. Mein Opa 2013 und meine Oma 2021.
Meine größte Empfindung dabei war ja diese plötzliche radikale Abwesenheit. Das ist schon krass. Und diese Lücke kann nicht mehr gefüllt werden. Aber gleichzeitig ist das der Lauf der Dinge und gehört einfach zum Kreislauf des Lebens. Trotzdem fehlt halt dann etwas, das nicht mehr ersetzt werden kann.
Aber darauf wollte ich jetzt gar nicht hinaus, sondern wollte die Geschichte erzählen, wie ich als Teenager begann, gegen das „typische“ Weihnachtsfest zu rebellieren. Wobei ich dazusagen muss, dass ich da gar kein Teenager mehr war. Aber wie hat alles begonnen?
Im Grunde hat alles 1990 mit dieser Szene begonnen. Ich hab dir ja schon von meinen Top-Weihnachtsfilmen erzählt. Da ist natürlich auch „Eine schöne Bescherung“ oder im Original „National Lampoon’s Christmas Vacation“ dabei. Diesen Film liebe ich insofern heiß, da er für mich die optimale Weihnachtskomödie darstellt. Also reine Komik. Und Chevy Chase mag ich sowieso, weil der noch andere Klassiker zu bieten hat.
Jedenfalls ist das einer der Filme, die bei mir zu Weihnachten immer laufen, und nicht nur einmal.
Jetzt musst du aber wissen, dass 1990 die Anzahl der Outdoor-Weihnachtsbeleuchtungen quasi fast null war. Zero. Nada.
Vielleicht hat man irgendwo mal einen kleinen Tannenbaum im Garten gesehen, der vielleicht eine Weihnachtsbeleuchtung drauf hatte. Aber sonst war es maximal eine Straßenbeleuchtung, und selbst die war 1990 in Werndorf nicht überall verbreitet.
Und ja, der 16-jährige Gerald sieht diesen Film und denkt sich: coole Sache, man sollte mehr Outdoor-Weihnachtsbeleuchtung machen. Wir wohnen aber in einem Neun-Familien-Haus im ersten Stock mit Balkon. Daher war die einzige direkte Outdoor-Möglichkeit eben dieser Balkon. Gesagt, getan. Hänge ich also eine große Lichterkette am Balkon an die Wand. Mit Zeitschaltuhr. Ab 17 Uhr bis 1 Uhr früh.
Und das erzähle ich jetzt mit ein klein wenig Stolz, weil mir das damals nicht bewusst war. Aber ich war in Werndorf und wahrscheinlich in weiterer Umgebung der Erste, der so eine Art von Outdoor-Beleuchtung zu Weihnachten aufgehängt hat. Heute ist das ja völlig normal, beziehungsweise geht ins andere Extrem, wo es schon wieder unangenehm wird (Blinklichter).
(Interessanterweise gibt es diesen Song von Mavis Staples nicht auf Spotify oder sonst wo. Ist aber die beste Version für mich.)
Aber natürlich ist das ja noch keine Form von echtem Protest. Der kam dann etwas später. Da war ich dann doch schon über 20, und da hat es sich dann eingebürgert, dass ich nach dem „regulären“ Weihnachtsfest nicht mehr zu Hause abhängen wollte, sondern mit meinen Freunden und Freundinnen einen drauf machen wollte. Jetzt war aber das Problem, dass wir von Werndorf, Südsteiermark, 1995 reden. Und da war natürlich am Heiligen Abend alles still, zu, jeder zu Hause. Irgendwo Party zu feiern war im Grunde nur privat möglich. Und so haben wir das dann auch organisiert.
Ein Freund von uns hatte ein Haus mit Garten, zu der Zeit relativ abgelegen. (Heute ist bei ihm rundherum alles zugebaut.) Dort hatten wir sogar einen eigenen „Partyraum“, und draußen im Garten brannte ein Lagerfeuer. Irgendwann bei diesen „Feierlichkeiten“ haben wir einen kleinen Weihnachtsbaum geschmückt und ihn dann aus Protest gegen das kommerzielle Weihnachten dem Feuer übergeben und dann noch ein paar Silvester-Raketen abgeschossen, um unseren Protest zu unterstreichen. Rückblickend betrachtet empfinde ich das alles als eher harmlos, beziehungsweise würde ich das heute nicht mehr so machen, würde den Protest gegen den Kommerz eher anders anlegen. Aber damals fand ich das schon sehr cool.
Es gibt sogar irgendwo ein Video von diesem Ereignis. Aber ich weiß nicht, wo das noch herumkugeln könnte. Vielleicht existiert es auch gar nicht mehr. Wir hatten damals eine Videokamera dabei. Handys gab es ja noch lange nicht. Dafür waren wir eh schon modern unterwegs.
Ich bin irgendwann mal auf Sarah McLachlan gestoßen und dadurch dann auf diese Version dieses Songs. Wenn Sarah beginnt mitzusingen, wird es richtig cool. 😎
Ich hab ja damals CDs gesammelt. In meinen Hochzeiten hatte ich über 2000 CDs. Und natürlich habe ich alles, was an skurrilen, komischen, abartigen, unglaublichen Weihnachtsliedern zu bekommen war, auf CD auch gesammelt. Das ist ja heute mein letztes Überbleibsel an CDs, die ich noch habe. Den Rest hab ich schon lange für einen Kilopreis hergegeben. Aber dieser Song war für mich damals der Inbegriff von Weihnachtsprotest.