Freitag, 16. Jänner
Liebes Tagebuch,
heute ist der 3. Tag meines Lea-Entzugs, und es ist natürlich schrecklich. Ich habe noch dazu gestern ein Mail von ihr erhalten, was natürlich eine emotionale Achterbahnfahrt auslöst. Einerseits freue ich mich über eine Nachricht von ihr, andererseits bringt es mich ins Wanken.
Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, aber natürlich klappt das meistens nicht. Zu denken gegeben hat mir auch, als sie sagte, dass eine Trennung schon aus organisatorischen Gründen nicht möglich bzw. nicht gewollt sei. Das klingt einerseits logisch und andererseits so unfair.
Ich würde so gern ganz weit weglaufen.
Samstag, 17. Jänner
Liebes Tagebuch,
ein weiterer Tag meines Lea-Entzugs. Was ist das für eine Welt? Ich habe heute wieder ein Mail von ihr erhalten, und ehrlich gesagt bin ich verwirrt. Aber alles der Reihe nach.
Sie meint, sie habe niemanden zum Reden über dieses Thema, und ich könne ja mit all meinen Freunden reden. So leicht stellt man sich die Welt vor. Ich kann nicht mehr wirklich über dieses Thema reden. Nachdem ich einigen die volle Lea-Story erzählt habe – wie genial alles ist und wie groß unsere Liebe ist – stehe ich jetzt da wie ein nasser Pudel, und jeder schüttelt nur den Kopf. Ich muss mir Aussagen anhören wie: „Na so groß kann die Liebe nicht gewesen sein“ oder „Lass dich nicht verarschen“ usw.
Also rede ich mit niemandem mehr darüber und behalte es für mich.
Aber liebes Tagebuch, mal ehrlich: Sie schreibt mir auf der einen Seite, wie extrem sie mich vermisst, und sagt auch noch: „Du hast mich schon, schon lange.“ Und auf der anderen Seite sitze ich hier auf Cold Turkey, und das Einzige, was ich habe, sind Entzugserscheinungen und Liebeskummer. Was soll ich davon halten?
Ehrlich gesagt finde ich das auch ein wenig egoistisch. Ich habe das Gefühl, jeder soll einfach für sie da sein, nichts soll sich ändern – mit wenig Rücksicht auf alle anderen.
Es scheint wirklich so zu sein: Diese Frau treibt mich in den Wahnsinn, und am Ende lande ich in der Geschlossenen. Aber zumindest hat sie versprochen, sie kommt mich dann besuchen.
Und ja, liebes Tagebuch, ich bin wieder auf Schoki. Ich kann nicht zwei Entzüge gleichzeitig durchmachen. Das nervt mich auch. Jedes Mal, wenn eine Tafel Ritter Sport weg ist, fühle ich mich elendig.
Und mir ist jetzt schlecht. Gratulation an mich selbst.
Montag, 19. Jänner
Liebes Tagebuch,
ich bin emotional völlig durch den Wind. Ich möchte gerade schreien, weinen, ganz weit weglaufen. Ich denke viel nach, und ich kann es einfach nicht verstehen. Oder will es nicht verstehen. Aber was gibt es da auch zu verstehen?
Gerade habe ich wieder ein Mail von Lea erhalten. Sie schreibt immer wieder, wie sehr sie mich vermisst, was ihr alles fehlt, und fragt dann ernsthaft, ob ich uns schon aufgegeben habe. WTF. Wie könnte ich uns je aufgeben? Das ist nicht möglich – und genau das ist ja das Tragische an dem Ganzen.
Ich empfinde es so, dass sie mich aufgegeben hat. Sie sagt zwar, sie vermisst mich, aber gleichzeitig hält sie an allem fest, was genau dem widerspricht.
Ich … mir kommen gerade die Tränen, und ich möchte sie am liebsten anschreien. Und am liebsten in die Arme nehmen. Und am liebsten küssen – ja, endlich küssen, denn das verbindet auch noch einmal. Aber alles erscheint mir wie ein Traum, der zum Albtraum wird. Alles wirkt so unnahbar, so unerreichbar.
Vielleicht denke ich anders, vielleicht bin ich anders. Aber wenn ich jemanden so vermisse und mir jemand so fehlt, dann beginne ich, Handlungen zu setzen und Dinge in die Wege zu leiten. Wie soll das sonst weitergehen, außer dass es im Wahnsinn endet?
Was auch schlimm ist: Ich bemerke, dass ich abstumpfe. Ich baue gerade einen Selbstschutz auf, der meine Gefühle taub macht, weil es sonst nicht auszuhalten wäre – diese ganze emotionale Achterbahnfahrt.
Der Gedanke, dass sie nicht bei mir ist, sondern dort ist, ………
Sometimes I get so sad
Sometimes you just make me mad