Lea, my Love,
ich habe heute einen langen Tagebucheintrag geschrieben und nach mehrmaligem Lesen beschlossen, dir lieber direkt zu schreiben. Vor allem deshalb, weil der Eintrag aus großer Frustration entstanden ist – und ich nicht möchte, dass du wieder das Gefühl hast, ich hätte meine Spikes ausgefahren.
Deshalb ein neuer Versuch. Direkt. Mit voller Liebe.
Ich halte mich bewusst kurz, weil im Grunde alles schon gesagt wurde.
Du weißt – und ich hoffe, du fühlst es auch –, wie sehr ich dich liebe. Gleichzeitig spüre ich immer stärker, dass diese Liebe jetzt nicht gelebt werden kann – und vielleicht auch später nicht.
Wenn du mir schreibst, dass du Angst hast zu gehen, weil du vielleicht irgendwann realisieren könntest, dass du dein Leben zerstört hast, dann fühlt es sich für mich so an, als wäre all das, was wir hatten und haben – auch dieses Gefühl von Heimat – für dich einfach nicht genug.
Mehr als das kann ich dir aber nicht geben. Es gibt nämlich nichts Größeres, nichts Sichereres als das, was wir gefühlt haben bzw fühlen. Wir sind Heimat.
Und wenn du diese Angst spürst, dein Leben zu zerstören, dann möchte ich dich – wirklich liebevoll – etwas fragen:
Was genau würde denn zerstört werden?
Das Einzige, was passieren könnte, ist, dass du deine jetzige Beziehung nicht mehr führst. Das geschieht jeden Tag, überall auf der Welt. Dein Leben an sich würde bleiben.
Du wärst weiterhin die erfolgreiche Unternehmerin, die du jetzt bist. Du würdest dein Leben weiterleben – mit der einen Veränderung, dass du nicht mehr in einer Beziehung bist, die sich für dich nicht mehr richtig anfühlt.
Daran wird nichts zerstört.
Wenn man geht, weil man nicht mehr bleiben kann, dann stellt man etwas richtig – für sich und für alle Beteiligten.
Was wir jetzt leben, ist das Gegenteil davon.
Es ist für alle ein Zustand der Unruhe, des Schmerzes, ein echtes Zwischenreich – und für mich fühlt es sich wie ein Albtraum an.
Wenn du Zweifel hast und deine Beziehung weiterführen möchtest, dann tu das. Ehrlich.
Aber dieses Dazwischen kann so nicht weitergehen.
Deshalb ja: Lass uns, wie besprochen, Funkstille halten. Schreib mir nicht mehr, bis du für dich Klarheit hast und wenn du mir dann schreibst, dann bitte nur mit der Antwort, ob du frei bist oder nicht.
Ich kann dir nicht versprechen, dass ich dann noch da bin.
Ich habe kaum noch Hoffnung und stelle mich innerlich bereits darauf ein, dass sich meine große Liebe in diesem Leben vielleicht nicht erfüllt. Und vielleicht begegnet mir ja irgendwann jemand, bei dem ich weiß, dass sie mich nicht verletzen kann.
I will always love you
Gerald