Lea, my Love!!


Ich möchte dir jetzt doch noch mein Herz ausschütten und genauer erzählen, warum ich auf deine Nachricht, die mich im Grunde sehr gefreut hat, so reagiert habe.

Seit wir uns das letzte Mal gesehen haben – und das fühlt sich wirklich schon ewig her an – war es sehr hart für mich. Vor allem deshalb, weil unsere Kommunikation von wenig auf quasi null heruntergefahren wurde. Das hat natürlich viel Kraft gekostet und mich mit einigen Themen konfrontiert. Ich habe mich wirklich sehr bemüht, damit umzugehen, loszulassen und meinen Weg damit zu finden.

Gar nichts von dir zu hören oder zu lesen ist für mich immer das Schlimmste. Und dann kommt noch dieser ungute Effekt dazu, dass du für mich immer mehr „unsichtbar“ wirst und sich alles immer weiter entfernt anfühlt.

Als du dich am Samstag dann endlich wieder über WhatsApp gemeldet hast, war es fast schon ungewohnt. Ich hatte dabei ständig das Gefühl, wir dürften das eigentlich gar nicht, als würden wir unter Beobachtung stehen. Das ist natürlich komplett irrational – so ein Gefühl sollte überhaupt nicht da sein.

Jedenfalls war es für mich wirklich schwierig, weil mit dir zu reden, mit dir zu kommunizieren, im Grunde alles ist, was wir im Moment noch haben. Und wenn selbst das nicht mehr da ist, dann haben wir gar nichts mehr.

Und jetzt kommt der Teil, den ich dir wirklich genau erklären möchte:
Ich habe mich gefreut zu sehen, dass du mir eine Sprachnachricht hinterlassen hast. Nachdem ich sie gehört hatte, war ich im ersten Moment etwas enttäuscht – und dann verzweifelt. Warum? Ich weiß, du meinst es gut, und dir ist absolut nichts vorzuwerfen.

Aber Folgendes ist bei mir passiert:
Ich gehe im Moment wirklich schon am Zahnfleisch, habe massive Entzugserscheinungen und hätte mir einfach gewünscht, dass du sagst:
„Hey, wir haben uns lange nicht gesehen. Ich schaue, dass wir uns in den nächsten zwei (oder drei oder vier – völlig egal) Wochen treffen und dann reden wir in Ruhe darüber, was alles passiert ist, wie es dir geht und wie es mir geht.“

Stattdessen kam für mich ein nettes „Hallo, wie geht’s dir so?“ (ich habe leider einiges nicht ganz verstanden, weil der Wind sehr laut war). Und im gesamten Kontext fühlt sich das für mich so an, als würde alles, was war, ausgeblendet werden – und wir starten mit Smalltalk.

Bitte, Lea, versteh mich nicht falsch: Ich weiß, dass du das überhaupt nicht so meinst. Ich will dir nur erklären, was bei mir ankommt und wie ich es auffasse.

Genau das ist nämlich auch bei unserem letzten Treffen vor zehn Jahren beim Balthasar passiert. Ich war damals wirklich tief verletzt und hatte gehofft, dass du mir erklärst, was passiert ist und warum du so reagiert hast. Stattdessen kam wieder ein „Hallo, wie geht’s dir?“ – und das hat damals das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich bin ausgezuckt, was mich im Nachhinein zehn Jahre gekostet hat und zu der extrem blöden Situation geführt hat, in der wir jetzt sind. Damit muss ich auch erst einmal klarkommen.

Aber verstehst du mich ungefähr?
Ich bin einfach kein großer Freund von Konfliktvermeidung. Ich möchte Dinge lieber ansprechen und aussprechen, weil mich dieses Schweigen und Unklare wahnsinnig macht und zu einer enormen Belastung wird.

Du schreibst zum Beispiel, dass gerade viel passiert. Aber ich habe überhaupt keine Ahnung, was passiert oder was sich tut, weil wir keine Möglichkeit haben, darüber zu reden. Ich stehe im Regen und weiß im Grunde gar nichts. Von Klarheit sind wir da meilenweit entfernt.

Du hast beim letzten mal gemeint, du kannst mir noch nicht das geben was ich will. Es ist noch nicht die Zeit dafür. Hab ich verstanden. Aber ist die Möglichkeit zu kommunizieren auch zu viel verlangt? Weil dann bleibt nichts mehr über. Und ich habe dir ja schon einmal erzählt, wie wichtig es für mich ist, mit dir irgendwie in Kontakt zu bleiben. Und ehrlich gesagt habe ich eher das Gefühl, dass alles schlimmer statt besser wird. Zumindest fühlt es sich so an. Wie sich überhaupt gerade alles sehr weit weg anfühlt. Du bist für mich gerade sehr weit weg.

Und ja, ich weiß, du hast viel um die Ohren, und ja, es ist gerade alles schwierig. Aber ich weiß nicht, was genau schwierig ist – und genau das macht es so schwer, es zu verstehen. Im Grunde weiß ich im Moment gar nichts. Außer, dass unsere Kommunikation zusammengebrochen ist.

Und es wird immer viel los sein.
Und es wird immer irgendwie schwierig sein.

Schau Lea, ich will dir keinen Stress machen. Ich kann halt meine Gefühle dir gegenüber nicht verstecken oder wegzaubern. Und ich vermiss dich so sehr das es halt schon weh tut. Und du hast ja gefragt wie es mir geht 😎