Lea, my Love!

Und du weißt, du bist meine wahre Liebe, die Liebe meines Lebens. Ich finde es immer wieder spannend, so etwas zu sagen, weil ich ehrlich dachte, so etwas gibt es gar nicht. Und ich habe auch schon lange nicht mehr danach gesucht – aber du bist es. Das kann ich nicht leugnen und auch nicht wegzaubern. Es ist einfach so.

Ich will ehrlich sein: Ich schreibe dir heute mit einem etwas schweren Herzen. Ich würde lieber persönlich mit dir reden, aber das wird so bald nicht möglich sein, daher schreibe ich dir meine Gedanken in dieser Form.

Deine Nachricht hat mir, das muss ich ehrlich sagen, einen kleinen Stoß versetzt. Gleichzeitig möchte ich dir aber gleich sagen: Alles, was ich dir jetzt schreibe, schreibe ich aus wahrer Liebe zu dir. Ich übe in keiner Weise Kritik und meine nichts im negativen Sinn. Alles, was ich dir geben will, ist meine subjektive Sichtweise auf die aktuelle Situation. Und wenn ich irgendwo falsch liege, dann bitte korrigiere mich – aber du brauchst dich in keiner Weise zu verteidigen oder dich angegriffen zu fühlen. Das ist mir wirklich sehr wichtig.

Meine Gefühle zu dir haben sich natürlich nicht geändert und werden sich auch nicht ändern – im Gegenteil, sie werden immer mehr und stärker. So unglaublich das selbst für mich klingt. Wie auch diese Liebe unglaublich scheint.

Und ich möchte hier auch ganz klar festhalten: Du solltest in so einer Situation eigentlich nicht so wie es jetzt ist in Konstanz sein. Ich sollte bei dir sein, dich unterstützen, dich halten, dir Trost spenden. Und du solltest dir über Handys, Nachrichten und darüber, wer worauf schaut, überhaupt keine Gedanken machen müssen. Zumindest dieser Teil sollte ruhig, sicher und rückhaltgebend sein. Die Geschichte mit deiner Tante ist schon traurig genug – alles andere sollte kein zusätzliches „Thema“ sein.

Und nun möchte ich dir meine Sichtweise auf das aktuelle Thema schildern.

Mein Gefühl vermittelt mir folgendes Bild: Du möchtest keine Konflikte, du möchtest, dass es allen gut geht und jeder glücklich ist. Das ist in dieser Geschichte leider nicht möglich, denn zumindest einer Person wird als Konsequenz das Herz gebrochen. Daran führt kein Weg vorbei. Und du sagst es ja selbst: „Ich will niemanden mehr verletzen, keinen Schaden anrichten oder Menschen traurig machen.“ Genau das scheint dein Muster zu sein – ein Paradoxon sozusagen. Du möchtest, dass alle glücklich sind und mit einem Lächeln aus der Sache herausgehen, und agierst daher konfliktscheu oder gar nicht. Und genau das verursacht am Ende das Leid, das du eigentlich verhindern wolltest.

Es zieht sich in die Länge, weil niemand Klarheit hat und dadurch auch niemand beginnen kann, mit der Situation umzugehen oder einen Heilungsprozess zu starten. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Im Moment steuern wir eher auf ein Schrecken ohne Ende zu.

Dieses Muster musst du durchbrechen. Das wäre im Grunde deine Aufgabe. Jede Art von Trennung tut natürlich weh, aber es gibt immer ein Leben danach. Und wenn Klarheit herrscht, kann man anfangen, damit umzugehen. Die Wunden können zuwachsen und heilen. So aber werden sie immer wieder offen gehalten.

Ich weiß nicht genau, was gerade bei euch los ist, aber es klingt nicht gut. Und mal ehrlich: Möchtest du in einer Beziehung leben, in der dein Handy unter Beobachtung steht?

Aber in Wirklichkeit ist noch etwas anderes viel wichtiger: dass du dir selbst Klarheit verschaffst. Willst du weiter in deiner alten Welt leben, dann ist das auch gut so – aber dann tu es voll und ganz. Willst du unserer wahren Liebe nachgehen, dann ist auch das gut – aber dann tu es voll und ganz. Alles dazwischen schafft Leid, das sich im Kreis dreht, und verzögert am Ende nur das, was so oder so kommt. Unausweichlich. Jemand bleibt auf der Strecke. Und je länger das Leid dauert, desto schlimmer wird es am Ende. Und du bist wieder in deinem Muster gefangen.

Bitte glaube mir: Ich will dich zu nichts überreden, dich zu nichts zwingen oder dich drängen. Das liegt mir wirklich fern. Schon allein aus dem Grund, dass ich mir geschworen habe, den Fehler, den ich damals gemacht habe, kein zweites Mal zu machen. Wenn du glaubst oder fühlst, dass wir zusammengehören, dann soll es so sein. Wenn du zweifelst, dann soll es nicht so sein.

Und glaub mir: Ich rede hier nicht cool daher. Ich leide wie ein Hund. In mir geht alles drunter und drüber – die schlimmste Achterbahn könnte nicht schlimmer sein. Aber ich bin bereit und will dein absoluter Fels in der Brandung sein. Du kannst auf mich zählen, dich an mir festhalten. Aber das geht nur mit Klarheit.

Ich will aber auch kein endloses Leid. Dann baue ich lieber wieder meine Mauer auf und versuche, mein Leben so gut es geht zu leben – mit einer unerfüllten Liebe.

Und ja, natürlich gibt es bei euch auch den rechtlichen Aspekt. Aber mal ehrlich: Jede dritte Ehe lässt sich scheiden, und es gibt viele Beispiele, in denen es auch um Firmen, Geld und Ähnliches geht. Und trotzdem gibt es immer Lösungen. Gerade bei euch hattest du den Eindruck vermittelt, dass ihr darüber reden könnt und das auch klären könnt. Ja, er hat dir viel geholfen, aber du hast ihn auch wirklich ordentlich eingebunden, und ich glaube, das wird er auch zu schätzen wissen. Daher sollte das kein unlösbares Problem darstellen. Aber auch hier steht es mir nicht zu, dir irgendetwas zu sagen – ich habe lediglich meine Sichtweise ausgesprochen.

Im Grunde ist das alles gar nicht so schwer und kompliziert, wie es den Anschein hat. Es geht eigentlich nur darum, zu reden und Klarheit zu schaffen. Das ist der springende Punkt. Wir sollten uns als Erwachsene alles ausreden können. Es handelt sich hier nicht um den Weltuntergang.

Ich habe mich seit unserer letzten Unterhaltung, als du gemeint hast, dass alles schwerer geworden ist und nicht mehr so leicht, bewusst zurückgehalten, weil ich das natürlich vermeiden wollte. Im Grunde halte ich mich noch immer zurück – du wirst ja gemerkt haben, dass ich bis jetzt nicht viel dazu gesagt habe. Aber nach deiner Nachricht bekomme ich doch wieder Angst. Angst, dass du dich in deinem Muster verlierst. Du leidest ja selbst darunter. Ich glaube, im Moment leiden alle. Dein Muster arbeitet also gerade perfekt.

Und ich habe das Gefühl, du willst, dass es jetzt allen gut geht, und vermeidest dadurch die Konfrontation mit dem Unvermeidlichen. Ich weiß nicht genau, ob ihr gerade im Streit seid oder nicht, aber ich schätze, es kommt dann wieder zu einer Versöhnung. Und das ist nicht nur schrecklich – vor allem für mich –, sondern macht alles noch viel schlimmer.

Lea, ich hoffe wirklich, du kannst meine Worte als das nehmen, was sie sind: meine Sichtweise, damit du auch einen anderen Blickwinkel bekommst. Aber ich glaube, ich muss dir das so sagen, muss dich auf dieses Leidensrad hinweisen – auf dieses Muster, das genau das Gegenteil von dem erschaffen, was du eigentlich wirklich willst. Schaffe Klarheit – für dich, für uns alle. Dann endet das Leiden, und zumindest kann Heilung beginnen. Egal, wie auch immer du dich entscheidest.

Und nein, es ist überhaupt nichts falsch an der wahren Liebe – dafür ist sie ja da. Sich gegen die wahre Liebe zu entscheiden, ist auf eine gewisse Weise auch eine Form, Leid zu erschaffen.
Und ich vermisse dich wirklich überdimensional! 8-(