Ich weiß nicht ob es wirklich die beste Idee ist dir jetzt das zu schreiben was ich so gerne los werden möchte aber andererseits ist es unumgänglich weil ich auch so sehr möchte das du weißt mit wem du es zu tun hast um gegebenenfalls schnell den nächsten Exit Button zu drücken und dich in Sicherheit zu bringen.

Es gibt Dinge in meinem Leben die sicher eine Herausforderung sind, dazu zählt unsere Situation zum Beispiel. Es gibt Dinge in meinem Leben die ein Belastung sind, dazu zählt sicherlich die ganze Situation die durch meine Firmengründung entstanden ist, wir haben darüber ausführlich gesprochen. Das sind alles Themen die jetzt nicht grad lustig sind und mir teilweise den Tag verderben aber es sind auch Themen an denen man arbeiten kann und sie verändern kann bzw durchtauchen kann.

Und dann gibt es da ein Thema das mich schon viele Jahre beschäftigt und das jetzt irgendwie zu einem Höhepunkt kommt oder einfach immer mehr eskaliert weil ich es all die Jahre vor mir hergeschoben habe und nicht wirklich eine Lösung gefunden habe oder zu wenig an einer Lösung gearbeitet habe. Und dieses Thema bin ich selbst.

Ich habe oft das Gefühl, ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nicht was ich will und ich weiß überhaupt nicht was ich hier überhaupt soll. „What’s the fucking point“

Um das jetzt aber genauer zu erklären, müssen wir ein paar Jahre zurückgehen in der Geschichte. 2012, das Jahr das vieles verändert hat für mich und mich auf einen guten Weg gebracht hat. Da hab ich nämlich beschlossen, mir ein Jahr Auszeit zu nehmen und mal ein paar Dinge auszuprobieren um zu schauen was denn dann so daher kommt und vielleicht den Ausstieg aus der IT zu schaffen und was ganz anderes zu machen.

Ich hab dir sicher schon einiges darüber erzählt, daher halte ich mich hier eher kurz auf. Ich war ja vom 1. Februar 2013 bis ende Mai 2014 in meiner Auszeit und da ich dann meine gesamte Kohle verbrannt hatte und es zu überhaupt keiner Idee oder Eingebungen gekommen ist, was ich den nun weiter tun könnte, mußte ich ganz schnell wieder einen Job in der IT finden. Und einen Tag nachdem wir beide uns getroffen haben am Donaukanal hab ich wieder zu arbeiten begonnen.

Aber nicht nur das ich wieder in der IT war, war es auch noch in einem Thema das mich überhaupt nicht interessiert hat und dann begann sich eine Abwärstsspirale zu bilden die dann im Grunde bis heute angehalten hat. Ich war so unglücklich in meinem Job und konnte doch nicht aussteigen. Warum genau, das frage ich mich heute selber und ich kann es ehrlich gesagt nicht beantworten. Ich wurde zu einer Art Arbeitszombie. Bin halt in die Firma und hab alles über mich ergehen lassen. Die Bezahlung war halt gut und ich hatte mich an den Standard gewöhnt.

Wie hoch der Preis für diesen Standard wirklich sein würde, konnte ich damals nicht mal erahnen. Und so vergingen die Jahre, die überhaupt sehr eigenartig waren. Ich hab dir das eh schon erzählt. Aber was im Hintergrund passiert ist, war folgendes, ich war wirklich ein Arbeitszombie und ich kann dir gar nicht mehr sagen was ich überhaupt gemacht habe den ganzen Tag. Jedenfalls nichts sinnvolles oder produktives. Ich hab einfach den Arbeitstag hinter mich gebracht, hab dabei nicht viel gelernt, im Gegenteil, hab angefangen vieles zu verlernen. Und über die Jahre wurde das immer schlimmer. Ich kann dir auch nicht sagen wie ich mit dem überhaupt durchgekommen bin.

Anscheinend geht das in großen Konzernen das man wirklich unter dem Radar sei Leben fristet und keiner bekommt viel mit.
Dabei ist natürlich ein großer Frust entstanden. Um diesen Frust zu kompensieren hab ich halt immer irgendwas gemacht zur Ablenkung. Meistens war ich dann immer wieder ein Wochenende in London oder halt wieder mal einen Monat. Essen, trinken, feiern. Alles was halt Geld kostet. Daher brauchte ich immer mehr Kohle um den Lebensstil zu finanzieren um meinen Frust zu kaschieren. Also brauchte ich auch meinen Job, den ich nicht mochte. Du erkennst das Muster. Eine Sackgasse die mit einer Mauer endet.

Ich war trotz aller Ablenkung so unglücklich. Nicht viel in meinem Leben schien Sinn zu machen. Daher war ich dann noch mehr auf der Sinnsuche und je mehr ich gesucht habe, desto weniger erschien mir irgendwas Sinnvoll. Und eines Tages, das war so 2019, wurde dann plötzlich mein Vertrag nicht verlängert und anstatt das dann als Zeichen zu sehen und etwas zu ändern hab ich einfach wieder einen Job in der IT gesucht und gefunden.
Und dann kam Corona und die Idee 12point5 zu gründen. In der Meinung, das geht so einfach mit meinem 40 Stunden Job. Und dann kam das erste Burnout und dann das zweite Burnout und dann die Kündigung und dann lief natürlich 12point5 nicht so wie es sollte, oh Wunder. Und dann hab ich alles was mir möglich war nochmal in die Firma investiert und dann kamen die Streitereien mit meinen Firmenpartner (dann Ex-Firmenpartner) und am Ende habe ich mir eine Situation geschaffen, habe mir eine eigene „Hölle“ kreiert in der ich jetzt festsitze.

Das absolut schlimme daran ist, das ich schon solange in meinem Leben nichts sinnvolles mache, das ich gar nicht mehr weiß was Sinnvoll ist und was nicht. Ich hab dadurch einen tiefen Frust entwickelt und bin mir selbst gegenüber so verurteilend, das es oft weh tut. Warum habe ich das getan, warum habe ich mir selbst sowas angetan frage ich mich oft. Und ich weiß, es hilft nichts und ich weiß man soll zuerst sich selbst verzeihen aber wenn ich mir anschaue in welche schei**e ich mich selbst reingeritten hab dann fällt mir das wirklich sehr schwer.

Und so sitze ich jetzt hier mit 51, hab keinen Job, keine Kohle, keine Ahnung wie es weitergeht, hab so vieles verlernt das ich nicht mal mehr meinen alten Job machen könnte, hab keine Erfolgserlebnisse, keinen Sinn. Ich komme mir echt vor wie der absolute Looser. Gefühlt habe ich überhaupt nichts auf die Reihe gebracht. Ich hab schlicht und einfach versagt.

Und das ist z.B. auch der Grund warum ich dann solche Gedanken hege wie, das ich nicht gut genug für dich bin, weil du praktisch das Gegenteil von mir bist, du hast so vieles auf die Reihe bekommen, du hast dein „Ding“ gefunden, bei dir macht so vieles Sinn.

Ich weiß aber auch das ich ein wenig übertreibe. Natürlich hab ich einiges gemacht und ich habe eine Menge toller Eigenschaften. Manche schlummern vielleicht noch. Aber da ich so viele Jahre so viel sinnloses gemacht hab, hat sich mein Fokus auch darauf gerichtet und ich sehe die guten Dinge nicht mehr bzw bin ein wenig pessimistisch geworden. Obwohl ich das im Grund überhaupt nicht bin. Im Gegenteil. Ich bin ein fröhlicher, optimistischer Mensch aber meine Erfahrungen bzw mein eigenes tun, mein „selbst boykottieren“ machen mich fertig und ich beginne an mir selbst zu zweifeln.

2013, in meiner Auszeit, da war ich so im Flow. Ich hab echt gedacht, alles ist möglich. Und ich hab mir oft was gedacht das ich machen wollte bzw von dem ich überzeugt war und dann ist es einfach passiert. Ich hatte einen Glauben und ein Vertrauen.
Aber jetzt spüre ich diesen Schmerz in meiner Brust, Verzweiflung, Misstrauen, Frust. Es ist zum schreien und zum heulen. Ich komm mir so Sinnlos vor. Ich komm mir so vor, als wäre ich gar nichts, ich kann nichts, ich tue nichts. Existiere ich überhaupt. (Das ist jetzt natürlich sehr übertrieben ausgedrückt)

Und dann kommt da auch noch dazu, ich hab das Gefühl, alles was ich mache ist für die Fische. Ich habe kein Erfolgserlebnis, ich habe nur das Gefühl viele wissen nicht zu schätzen was ich mache und ich bin am falschen Ort. Aber am Ende komm ich dann immer wieder darauf zurück das in Wirklichkeit alles an mir selber liegt und dann bin ich wieder verzweifelt und verurteile mich und würde mir wünschen ich kann zurück nach 2012 und einen anderen Weg einschlagen. Ich meine, nach meiner Auszeit hab ich so gut wie alles falsch gemacht. Ich habe die Weichen in jede Richtung falsch gestellt, mein Job, meine Weiterbildung, meine Beziehung mit dir. Das Leben hat mir alle Möglichkeiten geboten, hat mir quasi alles am Silbertablett serviert. Ich hab alles in den Sand gesetzt und heute spüren ich die Konsequenzen mehr den je sehr schmerzhaft. Manchmal sitze ich da und bin so verzweifelt das mir die Tränen runterrinnen und ich hadere mit dem Universum und mit mir selbst.

Natürlich ist nicht alles so negativ wie ich es gerade beschrieben habe und ich spüre Veränderung und spüre auch das sich wieder etwas positives tut. Bzw gibt mir das Leben anscheinend wirklich nochmal eine zweite Chance, immerhin haben wir uns wieder getroffen. Dafür sind die Prüfungen jetzt halt nochmal einen Level höher als damals %-)
Und es ist für mich auch schwieriger weil ich nicht mehr so viel Energie habe, da die letzten Jahre so Energie raubend waren. Das macht natürlich das ganze nicht einfacher.

Ich weiß nicht was du jetzt von mir denkst und ob ich auch alles so rüberbringe konnte. Ich wollte dir halte einen Einblick geben in meine Welt. Du bist für mich einfach Alles und ich bin so sehr dankbar für diese zweite Chance, die ich mir nie in meinem Leben erträumen hätte können. Ich hab diese ganzen Jahre so sehr „getrauert“ um dich. Hab mir immer gedachte, von allen Dingen die ich falsch gemacht hab, war das Ende mit dir damals mein aller größter Fehler. Und jetzt bist du da und auch wenn es wirklich verdammt hart ist, so wie die Situation jetzt ist, ich bin so dankbar dafür, das du da bist. Ich liebe Dich abgrundtief und über alles!