Ich weiß jetzt gar nicht wo ich genau anfangen soll. Ein Satz von dir hat mich heute zum Nachdenken gebracht. „Ob das gut ist.. wenn wir uns sehen… ob es nicht unser Projekt „weiterzukommen“ entgegenwirkt.“

Ja, das ist eine gute Frage und insofern besonders interessant, weil sie von dir kommt. Aus meiner Sicht ist die Situation ja so, das ich in einer „Wartestellung“ bin, die natürlich nicht angenehm ist. Und ja, du hast recht, am 15. April jährt sich zum ersten mal der Tag an dem unser Kontakt begann, intensiv zu werden. Und am 11. August haben wir uns nach vielen Jahren wieder getroffen. Also ist dann bald mal ein Jahr um. Die Zeit vergeht so schnell und immer schneller. Was mich in dem Kontext auch ängstigt.

Ich weiß nicht wie ich das sagen soll, ohne das bei dir Stress und Druck entsteht. Ich sitze halt da und warte, auf dich.
Schlimm für mich ist dabei, das sich für mich alles schon herauskristallisiert hat. Wir sollten eigentlich schon gemeinsam unterwegs sein. Jeder Tag, an dem das nicht der Fall ist, fühlt sich falsch und dissonant an für mich.
Und ja, ich weiß schon das unsere Situationen unterschiedlicher nicht sein könnten. (Jetzt beginnt wirklich die Wiederholung 😎
Aber dafür kann ich nichts und irgendwann muss man halt eine Entscheidung treffen. Als ich heute darüber nachgedacht habe, ist mir ein Bild vom Segeln gekommen. Wenn das Wetter schön ist und der Wind ideal, ist immer alles sehr leicht. Aber wenn die See stürmisch ist und das Wetter schlecht, dann sind viele Dinge schwieriger aber man muss sie halt trotzdem machen. Man kann nicht darauf warten das wieder ideale Bedingungen herrschen.
Das meine ich jetzt, weil du mal gesagt hast, du brauchst mal Ruhe und Abstand und dann kannst du auch in Ruhe reden.
Es scheint, als würde das nie passieren. Die Erfahrung zeigt es zumindest. Weil, es kommt immer was daher und das Nächste und das Nächste und die Zeit vergeht und ich sitze da und warte und werde alt und irgendwann ist das Leben vorbei.

Das klingt jetzt vielleicht übertrieben aber jeder der so 20 Jahre älter ist als ich, erzählt mir am Ende immer die gleiche Geschichte. Die Zeit vergeht so schnell und immer schneller.

So, ich wollte da jetzt eigentlich gar keine Wiederholung abspielen, sondern wollte eigentlich sagen, wenn du glaubst, das es vielleicht doch nicht so gut ist, wenn wir uns sehen, weil du dann vielleicht wieder „stehen bleibst“, dann ist das auch ok für mich, dann lass uns besser nicht treffen (obwohl ich das natürlich sehr, sehr gerne möchte!) Aber ich will auch nicht in diesem Stillstand verharren und in der Wartehalle auf Godot warten.

Ich will mit dir sein, will mit dir reden, mit dir was unternehmen, mit dir philosophieren, mit dir feiern, lachen und weinen. Ich will deine Themen hören, will dir beistehen, will für dich da sein – ja, ich weiß, du sagst, ich bin eh für dich da. Aber das ist mir viel zu wenig. Ich will richtig und voll und ganz für dich da sein. Fuck this „in between world“, i want magic! With you!

Ich hab deine Sprachnachricht heute sicher 20 mal angehört. Schon allein wegen deiner Stimme! wuaaaaaaaa! Ich hab eh schon öfter gesagt, mach einen Podcast oder ein Hörbuch. Deine Stimme ist unglaublich.
Und dann weil ich dir so gerne zuhöre und dann hab ich mir gedacht, ja, ja, ja, ich würde jetzt auch gerne mit dir darüber reden, ich würde gerne alles hören von dir und dir zuhören und mit dir dann diskutieren.

Ich hab mir das „bewusst“ nicht ausgesucht. Und ich kann auch nichts dafür, dass das Universum uns unbedingt zusammensehen will. Aber es ist nun mal so, da gibt es keine entkommen. Ja, man kann auch viel Aufwand betreiben und dagegen arbeiten aber dann wird es halt ungemütlich. Und für mich fühlt es sich ungemütlich an.

Auch weil ich mir so absolut hilflos vorkomme. Wenn ich meinen alten Job noch hätte dann würde ich z.B. sagen, behalte deine Wohnung, ich geb dir einfach den Anteil und damit wäre z.B. dann dieses Problem gelöst. Und dann würden wir weiter nach Lösungen suchen. Alles was in meiner Macht steht, tue ich für dich. Leider steht halt im Moment nicht so viel in meiner Macht, was mich auch sehr frustriert, aber ein anderes Thema ist.

Ich bin seit gestern übrigens etwas angeschlagen, Husten, Hals, Nase. Wenn das morgen nicht besser ist, dann fällt leider meine Berlinreise auch ins Wasser. Was dann völlig scheibe wäre aber was soll ich machen. Ich weiß auch nicht ob das jetzt ein „normaler“ Schnupfe ist oder Corona. Von daher ist es wahrscheinlich eh keine gute Idee, wenn du morgen doch Zeit finden würdest, das du dann vorbeikommst. Aber vielleicht könnten wir ja mal telefonieren.
Aber wie gesagt, du musst dir das jetzt überlegen, wie weit der Kontakt gehen soll im Kontext deines Weiterkommens. Und was ich dazu beitragen kann.

Ich weiß nur noch eines, ich sollte schon bei dir sein und du bei mir und wir bei uns.

Im Hintergrund siehst du die Klagemauer in Jerusalem, da war ich
2 x (2010 und 2013). Eigentlich heißt sie ja nicht mehr Klagemauer, sondern Westmauer, weil diese Mauer früher die westliche Mauer des Tempels von Jerusalem war, das höchste Heiligtum bei den Juden.
Der Name „Klagemauer“ kam früher daher, weil die Juden davorstehen und beten, weil das der nächste Platz zu Gott ist und weil sie auch darüber klagen, das sie nicht in den Tempel können um zu beten.

Vor kurzem hab ich mir gedacht, ich brauche in Wien auch so eine Klagemauer, wo ich dann davorstehe und darüber klage das ich nicht zu dir kann. 8-))