{"id":168,"date":"2025-12-04T01:04:19","date_gmt":"2025-12-04T00:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/schampusperle.at\/?p=168"},"modified":"2025-12-04T01:04:19","modified_gmt":"2025-12-04T00:04:19","slug":"venedig-kapitel-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schampusperle.at\/index.php\/2025\/12\/04\/venedig-kapitel-3\/","title":{"rendered":"Venedig Kapitel 3"},"content":{"rendered":"\n<p>Das waren jetzt spannende Tage \u2013 zuerst Deutschland, dann Italien \u2013 und pl\u00f6tzlich vergeht die Zeit und ich bin wieder in Wien. Und auch wenn all meine Themen immer und \u00fcberall als leichtes Hintergrundrauschen pr\u00e4sent sind, lenkt das Unbekannte doch ein wenig ab. Jetzt aber, zur\u00fcck im Gewohnten, l\u00e4sst die Ablenkung massiv nach, und all diese Themen stehen wieder vor mir.<br>Und weil das Jahr sich dem Ende zuneigt, konfrontieren sie mich mehr denn je \u2013 und manche davon werden unangenehm.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die Basis meines Grundrauschens. Keine stabile Grundlage, um mit anderen Themen ad\u00e4quat umgehen zu k\u00f6nnen. Und da ich wieder zuhause bin, werde ich auch wieder \u00fcberdurchschnittlich mit <em>Lea<\/em> konfrontiert. Das ist eine feine Gradwanderung: Mit ihr bin ich immer konfrontiert, aber hier gibt es eben weniger Ablenkung.<br>Ich denke, du verstehst, was ich meine.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ja, ich wei\u00df: Du fragst mich immer wieder, warum das alles so ein gro\u00dfes Thema f\u00fcr mich ist. Warum ich mich nicht einfach zur\u00fccklehnen kann und alles seinen Weg gehen lasse. Einfach vertrauen. Es \u201ewerden\u201c lassen.<br>Aber so einfach ist das nicht, alter Freund.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum das nicht so einfach ist \u2013 daf\u00fcr muss ich dir etwas \u00fcber den gr\u00f6\u00dferen Kontext erz\u00e4hlen. Ich sp\u00fcre gerade viele Parallelen zu dem, was vor elf Jahren passiert ist. R\u00fcckblickend sage ich ja immer, das waren damals Pr\u00fcfungen. Pr\u00fcfungen, um eine wirklich gro\u00dfartige Beziehung mit Lea haben zu k\u00f6nnen. Und damals habe ich diese Pr\u00fcfungen bekannterma\u00dfen nicht bestanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt habe ich das Gef\u00fchl, diese Pr\u00fcfungen wiederholen sich. Nicht im selben Schweregrad wie damals \u2013 sondern viel, viel intensiver.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte dir von diesen Parallelen erz\u00e4hlen. Nicht als Ausrede, nicht als Schuldzuweisung. Einfach, damit du verstehst, warum ich damals gescheitert bin und warum ich jetzt wieder an einem \u00e4hnlichen Punkt stehe. Damit ich nicht wie ein kompletter Volltrottel dastehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Ich hab dir ja von unserem ersten richtigen Treffen am Donaukanal erz\u00e4hlt. Oh Mann, was f\u00fcr ein Abend. Mir war es damals gar nicht bewusst, aber als Lea ankam, war es um mich geschehen. Ich dachte \u201eWow\u201c, meinte aber \u201eDas ist die Frau meines Lebens\u201c.<br>Ich k\u00f6nnte jetzt stundenlang weiter erz\u00e4hlen, aber ich will dir ja von dem erz\u00e4hlen, was mich damals gebrochen hat \u2013 warum meine \u201ePr\u00fcfung\u201c so den Bach runterging.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist vieles subjektiv, und nach elf Jahren verschwimmt einiges. Aber der rote Faden ist noch da.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Anfang an war das Thema klar: Lea war zum Zeitpunkt unseres ersten Treffens noch mit ihrem Freund zusammen.<br>Ein Thema wie jetzt \u2013 nur damals weniger drastisch, denn heute ist sie verheiratet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben uns damals viel gek\u00fcsst, und das war unglaublich. Ich wollte aber keinen Sex, solange der damalige Status noch bestand.<br>Heute ist es umgekehrt: Ich w\u00fcrde gerne k\u00fcssen \u2013 und Lea will nicht, solange der aktuelle Status noch besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also irgendwie das gleiche Thema, nur anders gedreht.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals trafen wir uns \u00f6fter, k\u00fcssten uns, aber fast immer musste sie wieder nach Hause. Ihr Freund \u2013 oder Ex-Freund, es war nicht klar definiert \u2013 war st\u00e4ndig pr\u00e4sent. So wie jetzt. Nur dass wir heute eben nicht k\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam Weihnachten. Ich wei\u00df noch, wie Lea mich kurz davor besucht hat, mir eine coole Lampe schenkte, die sie, glaube ich, selbst gemacht hat, und meinte: \u201eWir sehen uns bald.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging also davon aus, dass wir Silvester zusammen verbringen w\u00fcrden. Ich rechnete fest damit. Und dann die Nachricht: Nein. Sie w\u00fcrde mit ihrem Freund\/Ex-Freund nach Kroatien fahren.<br>WTF.<\/p>\n\n\n\n<p>Davor gab es schon diese Aktion, wo sie pl\u00f6tzlich schrieb, dass wir uns nicht treffen k\u00f6nnen, weil sie mit eben jenem Freund\/Ex-Freund nach Budapest gefahren sei. Sie musste \u201edringend weg\u201c. Mit Couchsurfing oder sonst irgendwas. Jedenfalls war er dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ging das hin und her.<br>Es h\u00f6rte meiner Meinung nach nie wirklich auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich merke gerade, dass ich gar nicht mehr weiter Geschichten aufz\u00e4hlen will, weil es mich jetzt, w\u00e4hrend ich dir das schreibe, traurig macht. Ich wollte dir nur etwas Kontext geben, warum f\u00fcr mich diese vielen Parallelen auftauchen und warum ich mich wieder in einer Pr\u00fcfungssituation f\u00fchle \u2013 diesmal jedoch viel drastischer.<br>Damals dachte ich nat\u00fcrlich, es ist nicht machbar. Aber im Vergleich zu heute war es fast harmlos.<br>Wobei \u2013 harmlos war es nat\u00fcrlich nicht. Wenn ich daran denke, sage ich mir: Wow. Das war schon auch z\u00e4h.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber gut, das ist der Hintergrund. Damit du verstehst, warum ich heute so viele Parallelen sehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei ich dazu sagen muss: Lea reagiert heute ganz anders. Damals sp\u00fcrte ich Distanz, ich sp\u00fcrte diese immense Energie zwischen uns nicht so stark wie heute. Vieles war anders.<br>Jetzt habe ich das Gef\u00fchl, Lea ist in vielen Punkten ein anderer Mensch geworden. Heute ist das Problem eher, dass sie in ihrer Welt gefangen ist und der \u00dcbergang in unsere gemeinsame Welt im Moment so schwer ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch tragischer ist: Ich kann ihr nicht wirklich helfen, obwohl ich es gerne w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute hat sie mir geschrieben, dass sie Angst hat. Angst vor allem. Ich verstehe das. Ihre Situation ist wirklich \u201eorg\u201c. Und auch ich habe Angst vor so vielem.<br>Vielleicht sollte ich meine \u00c4ngste einmal aufz\u00e4hlen. Vielleicht w\u00fcrde es besser werden, wenn ich \u00fcberhaupt w\u00fcsste, wie viele es sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich ehrlich bin: Meine gr\u00f6\u00dfte Angst ist, etwas zu sagen, das Lea unter Druck setzen k\u00f6nnte. Das will ich auf keinen Fall. Lea kann mit Druck gar nichts anfangen \u2013 sie reagiert regelrecht allergisch. Und das verstehe ich.<br>Darum f\u00e4llt es mir schwer, mich \u00fcberhaupt in diese Richtung zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich m\u00f6chte ich am liebsten gar nichts sagen.<br>Aber gleichzeitig rumort es in mir. Ich frage mich: Wie geht das weiter? In welchen Zeitdimensionen denken wir?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte am liebsten sofort mit Lea zusammen sein. Sie auch \u2013 das vermittelt sie mir \u2013 aber sie sagt gleichzeitig, es kommt alles zur rechten Zeit.<br>F\u00fcr mich w\u00e4re die rechte Zeit morgen. F\u00fcr sie kommt dir rechte Zeit dann halt. <\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal habe ich das Gef\u00fchl, sie m\u00f6chte den Kopf in den Sand stecken und warten, bis sich alles \u201erichtig ergibt\u201c. Ich glaube, dass man manche Dinge zumindest auf den Weg bringen muss, damit sich das Richtige ergeben <em>kann<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Kannst du diese Gedankeng\u00e4nge nachvollziehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Glaub mir, alter Freund, ich will nichts forcieren, nichts \u00fcberst\u00fcrzen. Ich will keinen Druck aus\u00fcben, keine Schuld verteilen.<br>Ich br\u00e4uchte nur einen kleinen Hoffnungsschimmer.<br>Etwas, das zeigt: Es entwickelt sich etwas.<br>Dass diese Traumwelt, die wir uns geschaffen haben, langsam beginnt, sich zu manifestieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist ein seltsamer Tag. Ich wei\u00df gar nicht, wie ich es beschreiben soll.<br>Es f\u00fchlt sich an, als h\u00e4tte sich ein \u201eShift\u201c getan. Ein Ruck im Universum.<br>Alles ist intensiver, st\u00e4rker, wilder. Ich vermisse Lea wie noch nie zuvor \u2013 und dieses Vermissen hat pl\u00f6tzlich eine ganz neue Qualit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das waren jetzt spannende Tage \u2013 zuerst Deutschland, dann Italien \u2013 und pl\u00f6tzlich vergeht die Zeit und ich bin wieder in Wien. Und auch wenn all meine Themen immer und \u00fcberall als leichtes Hintergrundrauschen pr\u00e4sent sind, lenkt das Unbekannte doch ein wenig ab. 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